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Die Hitze-Falle: Morpheus8 und Ultherapy
Verfahren wie Ultherapy, Morpheus8 oder Thermage versprechen eine Straffung des Gesichts ganz ohne Operation. Das klingt verlockend – doch aus meiner Sicht sind bei diesen thermischen Verfahren durchaus Bedenken angebracht.
Ich führe jährlich rund 130 Deep-Plane-Facelifts durch und sehe dadurch eine Vielzahl unterschiedlicher Gewebestrukturen. Darunter befinden sich natürlich auch viele Patientinnen und Patienten, die bereits mit verschiedensten Methoden vorbehandelt wurden.
Was mir dabei zunehmend auffällt: Bei Personen, die zuvor thermische Verfahren wie Morpheus8, Ultherapy oder Thermage durchführen ließen, kann das spätere Operieren deutlich erschwert sein.
Ich biete diese Verfahren in meiner Klinik ganz bewusst nicht an. Der Grund dafür ist, dass meiner Ansicht nach das erreichbare Ergebnis nicht im Verhältnis zu den möglichen Risiken und negativen Auswirkungen auf das Gewebe steht.
Was passiert bei thermischen Verfahren?
Ein Blick auf die Veränderungen in den tieferen Gewebeschichten
Viele Ärzte, die diese Verfahren anbieten, sind nicht chirurgisch tätig und insbesondere nicht auf Facelift-Operationen spezialisiert. Dadurch sehen sie in der Regel nicht, wie sich vorbehandeltes Gewebe bei einem späteren chirurgischen Eingriff tatsächlich darstellt.
Denn der Schein kann trügen: So harmlos, wie diese Methoden häufig dargestellt werden, sind sie aus meiner chirurgischen Erfahrung nicht.
Das Phänomen des Fettabbaus
All diese Verfahren basieren auf einem ähnlichen Prinzip: Tiefere Bindegewebsstrukturen sollen durch die gezielte Zufuhr von Hitze gestrafft werden.
Zwischen der Haut und diesen tiefer liegenden Strukturen befindet sich allerdings das subkutane Fettgewebe. Diese Fettgewebsschicht erfüllt eine besonders wichtige Funktion. Sie trägt wesentlich dazu bei, dass unser Gesicht geschmeidig und jugendlich wirkt und seine natürliche Elastizität behält.
Durch thermische Verfahren kann es zu einer Beeinträchtigung dieses subkutanen Fettgewebes kommen. Soll die Hitze bis in tiefere Gewebeschichten wirken, betrifft sie zwangsläufig auch die darunterliegenden Fettzellen.
Durch die Hitzeentwicklung kann es zu einem unkontrollierten Abbau von Fettzellen kommen. In der Medizin spricht man dabei von Apoptose – vereinfacht gesagt baut sich die betroffene Fettzelle ab.
Warum weniger Fett nicht automatisch jünger macht
Eine gesunde und natürliche Fettgewebsschicht ist für ein jugendliches Erscheinungsbild besonders wichtig. Gleichzeitig nimmt dieses Fettgewebe mit zunehmendem Alter ohnehin ab.
Ein zusätzlicher Verlust des subkutanen Fettgewebes kann daher dazu führen, dass das Gesicht schneller gealtert erscheint.
Der gewünschte Straffungseffekt kann somit mit einer Entwicklung einhergehen, die langfristig genau das Gegenteil bewirkt.
Vernarbung und Fibrosierung
Aus chirurgischer Sicht ist für mich ein weiterer Punkt noch bedeutender: die Vernarbung beziehungsweise Fibrosierung der subkutanen Gewebeschichten.
Durch die thermische Wirkung wird Kollagen denaturiert. Vereinfacht ausgedrückt kommt es zu einer Veränderung beziehungsweise einem „Schmelzen“ der Kollagenstruktur. Dies kann letztlich zu einer Vernarbung der subkutanen Fettgewebsschicht führen.
Dadurch können die natürlichen Gleitschichten des Gesichts beeinträchtigt werden. Auch die sogenannte SMAS-Schicht kann davon betroffen sein.
Genau diese SMAS-Schicht ist jene Gewebeschicht, die wir bei einem Deep-Plane-Facelift gezielt unterwandern und lösen.
Was bedeutet die Vernarbung für das Gesicht?
Auch wenn zu einem späteren Zeitpunkt niemals ein Facelift geplant ist, können diese Veränderungen des Gewebes ästhetische Auswirkungen haben.
Das Gesicht kann starrer werden und einen Teil seiner natürlichen Geschmeidigkeit und Elastizität verlieren.
Diese natürliche Beweglichkeit der unterschiedlichen Gewebeschichten ist jedoch ein wesentlicher Bestandteil eines vitalen und jugendlichen Erscheinungsbildes.
Warum ein späteres Facelift schwieriger werden kann
Für ein späteres Facelift können diese Veränderungen besonders relevant sein.
Das Operieren kann zeitaufwendiger und anspruchsvoller werden, weil sowohl das SMAS als auch das darüberliegende subkutane Fettgewebe verändert sein können.
Das Gewebe kann stärker vernarbt, weniger geschmeidig und schlechter voneinander abgrenzbar sein.
Bei einem nicht vorbehandelten Gesicht lassen sich die einzelnen Gewebeschichten normalerweise sehr gut voneinander lösen. Nach intensiven thermischen Vorbehandlungen kann dieser Vorgang deutlich erschwert sein.
Was passiert mit der Elastizität?
Eine starke Hitzeeinwirkung kann auch empfindliche Elastinfasern beeinträchtigen.
Dadurch kann das Gesicht einen Teil seiner biologischen Spannkraft verlieren. Damit ist nicht gemeint, dass das Gewebe einfach nur lockerer wird oder stärker hängt.
Gemeint ist vielmehr die natürliche Beweglichkeit und das feine Vor- und Zurückschwingen der einzelnen Gewebeschichten. Genau diese Geschmeidigkeit vermittelt Jugendlichkeit und Vitalität.
Was sagen internationale Facelift-Spezialisten?
Im Mai 2026 habe ich mich auf einem Kongress in Stockholm intensiv mit international tätigen Facelift-Spezialisten über dieses Thema ausgetauscht.
Unter anderem führte ich Gespräche mit Dr. Patrick Tonnard aus Belgien und Dr. Birgit Stark aus Schweden.
Die möglichen Auswirkungen thermischer Verfahren auf das Gewebe und auf spätere Facelift-Operationen werden auch unter spezialisierten Chirurgen kritisch diskutiert.
Für wen können thermische Verfahren dennoch einen Effekt bringen?
Diese Verfahren können durchaus eine leichte Verbesserung erzielen – insbesondere bei leichterem beziehungsweise weniger schwerem Bindegewebe.
Ist das Gewebe bereits sehr schwer und deutlich erschlafft, fällt der zu erwartende Effekt meiner Erfahrung nach allerdings wesentlich geringer aus.
Bei leichterem Bindegewebe können sichtbare Veränderungen erreicht werden. Wer jedoch darüber nachdenkt, zu einem späteren Zeitpunkt ein Deep-Plane-Facelift durchführen zu lassen, sollte die Entscheidung für eine thermische Behandlung besonders sorgfältig abwägen.
Können Morpheus8 und Ultherapy ein Facelift ersetzen?
Eine chirurgische Korrektur einer ausgeprägten Erschlaffung des gesamten Bindegewebes kann durch diese Verfahren weder ersetzt noch dauerhaft aufgehalten werden.
Thermische Verfahren und ein operatives Facelift verfolgen unterschiedliche Ansätze und haben unterschiedliche Möglichkeiten und Grenzen.
Meine Einschätzung zu thermischen Verfahren
Ich möchte dieses Thema möglichst differenziert betrachten. Thermische Verfahren können einen sichtbaren Effekt erzielen und haben durchaus ihre Einsatzbereiche.
Gleichzeitig gebe ich meinen Patientinnen und Patienten zu bedenken, dass Methoden wie Morpheus8, Ultherapy oder Thermage nicht nur oberflächlich auf die Haut wirken.
Die thermische Energie erreicht tiefere Gewebeschichten – und genau diese Veränderungen können für die langfristige Gewebequalität und insbesondere für ein späteres Facelift relevant sein.
Wer eine solche Behandlung in Erwägung zieht, sollte daher nicht nur den kurzfristigen Straffungseffekt betrachten, sondern sich auch ausführlich über die möglichen langfristigen Auswirkungen auf das Gewebe informieren.
Es liegt in der Natur des Menschen, sich rundum wohlfühlen zu wollen.





